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Klaas Huizing: "Fürchte dich nicht. Die Kunst der Entängstigung". Edition Chrismon 2009.


 

Ein Pfad zur Gelassenheit

Dies ist ein reizvolles Buch. Es ist trotz seines biblisch tönenden Titels auch ein Angebot an alle, die mit Absicht auf die Vorteile einer Kirchenmitgliedschaft verzichten.

Gattungsgeschichtlich ist Angst produktiv, weil Flucht Genbestände rettet. Nun sind wir aber über dieses naturnahe Unbehagen hinausgewachsen. Die dennoch reichlich vorhandene Angst stört. Angst vor Sterben oder Alleinsein, vor Schmerzen oder dem Unbekannten, Angst vor Erfolglosigkeit oder leeren Blättern. Vom Umgang mit diesen Formen der Verunsicherung handelt Huizings Buch. Er traut es der Religiosität zu, Ängste zu mildern. Das wäre ja, diesseits heilsgeschichtlicher Ansprüche, einmal ein handfestes Argument für den Gottesglauben. Ein Sinn!

Die "Kunst der Entängstigung" ist für den Theologen und Roman-Autoren eine Kunst des Lesens. Gelassenheit und Zuversicht erwirbt, wer sich die richtigen (religiösen) Texte richtig anverwandelt. Literatur ist "Übungsraum gegen die Angst". Die Bibel vor diesem Hintergrund als "große Literatur" und als einen ästhetischen Code zu deuten, der - erzählend - Angst nimmt, das ist ein spannender Gedanke. Die Bibel wäre nach dieser Lesart aufklärerisch, indem sie aus Angst den Mut erzeugt, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Huizings Kronzeuge ist der barmherzige Samariter, dessen Story ein Lehrstück für Solidarität.

Historisch ging es oft anders zu, trieben die Kirchen "schreckliche Angstpolitik". Das sieht Huizing auch. Er will ja auch nicht die ganze Wahrheit gepachtet haben. Er will dem großen Gespräch ein paar eigene Absätze hinzufügen. Er tut dies, indem er - erzählend - zeigt, wie er im Leben den Pfad zur Entängstigungsthese gefunden hat.

Die elf essayistischen, gut lesbaren Kapitel sind persönliche Fußspuren auf diesem Pfad. Eingestreut sind Begegnungen mit Kierkegaard, Riemann, Sloterdijk, Rorty, ein Kämpfchen mit der antikirchlichen Giordano-Bruno-Stiftung. So sieht der Leser klar die Richtung. Aber was der Schreiber auf seinem Weg wahrgenommen hat, das muss er selbst - lesend - noch einmal mit eigenen Augen erleben.

© Wolfgang Kerkhoff, 2009
Foto: Krümel @ pixelio.de

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