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Foto: Didier Derrien bei pixelio.de

        

 

Gerd Meiser: „Das Geheimnis des Kapuzenmanns. Eine Novelle aus napoleonischer Zeit“, Conte Verlag Saarbrücken, 212 Seiten, 14,90 Euro

 

Liebe, Heimat, Krieg


Wenn eine Novelle gut gearbeitet ist, gelangen ihre Leser schnell zu dem Punkt, an dem sie wissen wollen: Was ist da eigentlich los? Wie geht die Chose aus? Gerd Meiser lässt diese Neugier im ersten Kapitel entstehen, in dem er die verzögerte Rückkehr des Husaren Wilhelm Mohr aus dem Krieg schildert und sogleich ein Gefühl dafür auslöst, wie in der Saarregion des jungen 19. Jahrhunderts gehaust und gedacht wurde.

Es geht dem vom Leben erschöpften Wilhelm nicht wie Beckmann, der am Elternhaus einen fremden Namen entdeckt und „draußen vor der Tür“ bleibt. Die Probleme des ausgemusterten Soldaten beginnen vielmehr, als er mit der Mutter, der berückenden Schwägerin und zwei kleinen Neffen unter einem Dach wohnt.

Das alles ist einfühlsam und mit Heimatpathos beschrieben. Es werden regionalgeschichtliche Duftmarken („der Stumm“, „Ottweiler Intelligenzblatt“) gesetzt, so dass Spannung schon wächst, wo die geheimnisvolle Titelfigur noch gar nicht ins Leben der Mohrs getreten ist. Als sie sich durch Spuren im Schnee wenig später ankündigt, will man das Buch nicht mehr weglegen und bis zum Schluss hin rennen, wo die „unerhörte Begebenheit“ aufgeklärt wird. Goethe hat in solch einer Begebenheit das Wesen der Novelle gesehen. Heute würden wir sagen: ein überraschendes Ereignis. Und damit haben wir es bei Gerd Meiser wahrlich zu tun, jedes Wort darüber bleibt deshalb hier ungesagt.

Die Novelle ist aber nicht nur eine reizvolle Story, die auch von der Liebe handelt, sondern ebenso ein Manifest gegen den Krieg. Mutwillig hat Wilhelm als Jugendlicher die Uniform angezogen, mutlos ist er, nachdem er in zahllosen Schlachten gelitten und Leid getan hat. Als er am Silvesterabend des Jahres 1815 in der Schankstube von seinen Erlebnissen berichten soll, hält er den Neugierigen eine berührende pazifistische Rede, der ein Henri Barbusse applaudiert hätte: „So lange es Menschen gibt“, schließt Mohr, „die diese Geschichten gerne hören, wird es Kriege geben.“ Und: „So lange der Gott des Eisens keine Einsicht hat, wird es weiter Kriege geben …“

Sprachlich ist nicht nur diese Passage von gehöriger Qualität. Hier schreibt einer, der in seinem Redakteursleben Tausende von Seiten gefüllt und immer Spaß daran gefunden hat, Gedanken mit Wörtern so zu modellieren, dass sie dabei nicht gemeuchelt werden. Etwas störend sind allerdings die Stellen, an denen die wörtliche Rede aus der Zeit fällt: „perverse Typen“, „pennen“, „saukalt“, „angedacht“ – das erinnert doch eher an den Jargon jüngerer Generationen.

Das Buch ist insgesamt ein gutes Stück Unterhaltungsliteratur. Der Conte-Verlag sollte Gerd Meiser dazu ermuntern, seinem belletristischen Debüt bald einen weiteren Auftritt folgen zu lassen.

 

© Wolfgang Kerkhoff, 2012
 

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