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Reinhard Klimmt: Auf dieser Grenze lebe ich - Die sieben Kapitel der Zuneigung. Gollenstein Verlag, Blieskastel, 2003, 520 Seiten.


Bodenhaftung intakt

Der Autor hat über viele Jahre die saarländische Politik mitgeprägt. Er setzt in seinem Buch unerwartete Schwerpunkte. Die Betriebsbesetzung bei Heckel Anfang der 80-er Jahre ist ihm 85 Textseiten wert. Aber sie sind ja zugleich auch ein industriegeschichtlicher Abriss über das Saarland und eine Studie über den Chip im Kopf des Politmenschen Klimmt.
Den Mann, den er hier und im Rest des Bandes zeichnet, nehme ich ihm ab. Wer Jahrzehnte in der Politik zugebracht hat, wer Fraktions- und Parteivorsitzender, wer Ministerpräsident und Bundesminister war, kann vielleicht kein Unschuldslamm (mehr) sein, aber er kann Mensch geblieben sein. Die Bodenhaftung ist intakt. Der dicke Band zeigt es in jedem der "sieben Kapitel der Zuneigung" (Untertitel).
Was ist dieses Buch? Eine autobiographisch durchwachsene Regionalgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der SPD und einer europäischen Vision – ja, das vielleicht. "Liebeserklärung für Land und Leute" titelte das Heimatblatt SZ. Dazu stellte es ein Bild des Autors vor Buchlandschaft. In den Regalen seiner Saarbrücker Wohnung stehen Tausende Bände. Manche wird man wohl einmal sehen können; denn der Bibliophile denkt über eine Buchausstellung nach, weil ihn der Erfolg seiner Afrika-Präsentation motiviert habe. 
Klimmt hat das Buch selbst geschrieben, das verleiht dem Text die Unmittelbarkeit, die auch denen noch etwas gibt, die glauben, die regionale Geschichte und ihre Akteur(inn)e(n) schon zur Genüge zu kennen.
Das Buch enthält keine Häme, nur einen Seitenhieb auf Juristen, die es fertig brachten, durch kleinliche Interpretationen die Amtszeit eines Bundesministers zu beenden. Es enthält viele Fotografien, die einen besseren Druck verdient hätten. Und es enthält - sicher ganz im Erkenntnisinteresse mancher Leser(innen) – ein ausführliches Register mit mehr als 350 Namen.

© Wolfgang Kerkhoff, 2004

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