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Gerard Donovan: Winter in Maine, Luchterhand 2009 (5. Auflage)



Was Alleinsamkeit macht


Wenn Alleinsein in Einsamkeit kippt, dann wird es ernst. Man wird klein oder irre. Von solch einem Moment handelt "Winter in Maine". Maine ist jwd, hat mehr Bäume als alle anderen US-Bundesstaaten. Dort tragen die Männer Basecaps, fahren Pickups und wissen Bescheid über Repetiergewehre. Dort braucht man das Auto, um den Nachbarn etwas zu fragen oder um Brot zu kaufen. Dort wohnt seit langer Zeit einer mitten im Wald. Eines Tages stellt er fest, "wie das ganz normale Glück des Alleinseins plötzlich zerstört wurde, und zwar durch eine bestimmte Abwesenheit". So einer wird aber nicht klein, er wird irre, wenn er merkt, wie sehr ihm die Frau fehlt, die - als Einzige - eine Zeitlang in sein Herz gegriffen hat, dann aber wegblieb. So einer wird dann irre, wenn er merkt, dass jemand seinen Hund "Hobbes" erschossen hat. Mit blutigen Konsequenzen für eine ganze Reihe von Verdächtigen.

In einer fast lakonischen Sprache beschreibt Gerard Donovan die Katastrophe. Fünf Tage im Leben des Julius Winsome, der gnadenlos ausrastet. Fünf Tage Erkundung eines nicht einmal unsympathischen Gewalttäters. Da nimmt einer Rache; ein archaisches, vorstaatliches Rechtsmittel, auf das aber einer kommen kann, der lange draußen lebt. Ein bisschen US-amerikanisch - mit Verlaub - ist das auch. War nicht Zorro in erster Linie ein Rächer? War, vor wenigen Tagen, Abbottabad nicht in erster Linie ein Ort der Rache?

Gerard Donovan ist ein großartiges Buch gelungen, das an manchen Stellen nur leider ein wenig blechern übersetzt wurde. Klug und spannend ist es, und nachdenklich machend.

Wer etwas früher ins Bett geht und etwas später das Licht ausmacht, hat diesen 207-Seiten-Band, der auch ein Buch über unerwiderte Liebe ist, auf einen Sitz gelesen, und ich wette, dass er für viele auch Stoff ist, aus dem die Träume sind. Ein abgelegenes Holzhaus, an dessen Wänden 3.282 Bücher wie eine Firewall aufgereiht sind, das genügt locker für mehrere REM-Phasen.

© Wolfgang Kerkhoff, 2011

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