> menschenwelt
 
kontakt
 
web-links
intern
impressum
 
 
Foto: (c) Falk von Traubenberg, für das Mainfranken-Theater Würzburg

        

 

"In Schrebers Garten" - Schauspiel von Klaas Huizing



Er- und Beziehungen

Ein hochaktueller Stoff, ein packender Text, eine pointenreiche Inszenierung, ein empathisches Ensemble. Tolles Theater. "In Schrebers Garten" wurde im Februar am Mainfranken-Theater in Würzburg uraufgeführt. Am 13. Mai hat das Stück Premiere in Saarbrücken (weitere Aufführungen am 14. und 17. Mai).

Bernhard Stengele inszenierte das Schauspiel von Klaas Huizing in Kooperation mit dem Saarländischen Staatstheater. Der Autor lebt in Saarbrücken und lehrt in Würzburg. Sein gleichnamiger Roman kam 2008 heraus und wurde zum Erfolg. Huizing, Theologe mit Lehrstuhl, setzt sich darin mit einer schillernden Figur auseinander: Paul Schreber. Dessen „Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“, Anfang des vergangenen Jahrhunderts niedergeschrieben, gelten als aufschlussreiche Quelle für die Selbstwahrnehmung eines Entrückten. Roman und Stück deuten und erzählen die Geschichte des Dresdner Landesgerichtspräsidenten neu. Sein Wahn („meine göttliche Mission“), so Huizings These, rettet ihn. Man muss sich, mit Camus zu sprechen, Schreber letzten Endes „als glücklichen Menschen vorstellen“. Die Reise zu diesem spärlichen Glück ist jedoch lang, wie bei Sisyphos. Sie beginnt mit einem herrischen Vater, führt zu quälenden Träumen, sexuellen Obsessionen und in die Psychiatrie.

Das zweistündige Schauspiel beschreibt die Wegstrecke mit anrührend-düsteren Szenen. Eindringlich stellt es Fragen zur Gewalt in der Er- wie in der Beziehung. Bühnenbild und Kostüme schaffen eine Welt „kalter Barmherzigkeit“ (Huizing). Wunderbar die musikalische Verstärkung durch Flügel und Cello.

Die Saarbrücker Zeitung lobte nach der Uraufführung das "exzellent gespielte Irrsinnstheater" und die "famose Bühne". Regisseur Stengele ist dem saarländischen Publikum durch seine Inszenierungen "Die Zaubertrommel" und "Jekyll & Hyde", aber auch als Schauspieler in guter Erinnerung. Auch auf der Bühne bekannte Gesichter: Christian Taubenheim spielt Paul Schreber und Klaus Müller-Beck dessen Bruder Gustav. Beide Schauspieler waren bis 2006 am Saarländischen Staatstheater.

© Wolfgang Kerkhoff, April 2011

zurück zur Übersicht